Kreisverband Gießen

Exkursion „Waldentwicklung und Klimawirkung“ war erfolgreich!

16. Juli 2020

Unsere Führung im Forstrevier Hungen, eine Kooperation von HessenForst und dem BUND KV Gießen besuchten ca. 40 Teilnehmer*innen. Weiterlesen...

Bild: Andrea Malkmus

Der BUND Kreisverband Gießen hatte für Samstag, den 11.7.2020 zu einer Exkursion zum Thema Waldentwicklung und Klimawirkung in den neu ausgewiesenen Naturwald „Hirschrod und Plattenwald“ östlich von Hungen eingeladen. Ca. 40 Interessierte folgten der Einladung. Thomas Ullrich, Mitarbeiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt beim Landesbetrieb HessenForst, erläuterte gemeinsam mit Holger Brusius, Funktionsbeschäftigter Naturschutz am Forstamt Wettenberg die Zusammenhänge zwischen Klimawirkungen und den derzeit zu beobachtenden Veränderungen im Wald.

Die sogenannte Kernfläche „Westlicher Vogelsberg“, in der die Exkursion stattfand, ist eine Waldfläche, die seit etwa einem Jahr nicht mehr forstlich bewirtschaftet wird. Auf einzelnen Teilflächen dieses Gebietes wurden aber bereits seit einigen Jahrzehnten keine Holznutzungen mehr durchgeführt. In den naturnahen Wäldern für den Arten- und Bioptopschutz sollen zukünftig vorrangig Naturschutzziele verwirklicht werden.

Der erste Halt der Exkursionsgruppe führte in einen Mischwald mit über 200 Jahre alten Eichen und jüngeren Buchen. Hier konnte deutlich gemacht werden, dass auch der so natürlich wirkende Laubwaldbestand bereits Ergebnis von forstlichen Bemühungen vergangener Generationen, so etwa des Forstmeisters Georg Ludwig Hartig ist. Die kolossalen, noch in der Zeit von Hartig gepflanzten Eichen, wären bei natürlicher Entwicklung und gleichbleibendem Klima von den größer werdenden Buchen längst überwachsen worden. Eine jahrhundertelange Pflege durch den Menschen hat dazu geführt, dass die Eichen sich so gut entwickeln konnten. Die sich unter dem Einfluss des Klimawandels verändernden Klimawirkungen verschaffen der Eiche hier in Zukunft wahrscheinlich einen Vorteil, sodass sich die Alteichen auch ohne die Hilfe des Menschen weiter entwickeln können.

Die eigentlich fast überall in Deutschland typische Baumart Buche litt stärker unter den neuartigen klimatisch bedingten Stresssituationen, was an einzelnen, bereits abgestorbenen Bäumen am ersten Exkursionspunkt deutlich zu erkennen war. Ein baumartenreicher Wald kann daher flexibler auf Klimastress reagieren, wenn sich eine bisher verbreitete Baumart, wie die Buche, nicht mehr an einem Ort halten kann. Diese Baumartenvielfalt kann zum einen durch forstliche Maßnahmen gesteuert werden, zum anderen entstehen vielfältige Wälder auch bei natürlicher Waldentwicklung, wie sie in Zukunft in den Kernflächen stattfinden soll. Allerdings braucht die natürliche Waldentwicklung genügend Entwicklungszeit.

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb